Schulaufgabe am 24.10.2003

Aufgabe:
Bearbeiten Sie eines der drei folgenden Themen in einer dialektischen Erörterung. Halten Sie sich dabei an die in der Schule besprochene und geübte Form. Die Arbeitszeit beträgt 190 Minuten (07:50 – 11:00 Uhr).
Viel Erfolg!

Themen:
  1. „So groß / Schien dein Befehl mir nicht, der sterbliche, / Daß er die ungeschrieb­nen Gottgebote, / Die wandellosen, konnte übertreffen.“ (Antigone, Vv. 452-455) Diskutieren Sie, ob man Antigone als frühe Vorkämpferin des modernen Fe­minismus bezeichnen kann!
  2. 350.000 neue Bücher auf der Frankfurter Buchmesse 2003. Lässt sich angesichts solcher Zahlen die Lektüre antiker Dramen im Deutschunterricht rechtfertigen?
  3. Abtreibung, Familienrecht, Gentechnologie – immer wieder stehen staatliche In­teressen und Gesetze im Widerspruch zu religiösen Auffassungen. Kann ein zwei­einhalb Jahrtausende alter Text in diesen Dilemmata vermitteln?

Erwartungshorizont
Für jedes Erörterungsthema muss eine Gliederung und eine Ausführung formuliert werden. Die Gliederung muss vollständig sein und darf entweder nur aus Sätzen oder nur aus Thesen bestehen. Thesen sind vorzuziehen. In der Ausführung muss sich die Gliederung widerspiegeln. Zwischen den Argumenten sind Überleitungen vorzusehen. Jedes Argument muss erkennbar aus These, Begründung und Beispiel bestehen. Als Begründung oder Beispiel sind auch Zitate aus dem Drama Antigone von Sophokles (Kurslektüre!) denkbar. Zitate und Beispiele sind ausführlich zu kommentieren und für die Argumentation auszuwerten.

Gliederungsvorschläge
Zu 1.:
A. Die Unterdrückung von Frauen im 21. Jahrhundert
B. Antigone, eine Kämpferin der Menschen-, Frauen- und göttlichen Rechte?
  1. Feminismus in der Antike
    1. Patriarchat als Staatsform
    2. Die Protestantin Antigone
    3. Kreon als Verkörperung des Unterdrückers
  2. Frauenrechte als Hintergrundgedanke
    1. Diskussion um Menschenrechte
    2. Priorität der göttlichen Gebote
    3. Keine Unterscheidung in der juristischen Behandlung von Mann und Frau
  3. Übertreibung in der BezeichnungAntigones als Feministin
C. Unvergleichbarkeit der Frauenrechte in Antike und Moderne

Zu 2.:
A. Große Wirkung der Frankfurter Buchmesse 2003 auf die Besucher
B. Frage nach der Rechtfertigung antiker Lektüre angesichts der großen Zahl von Neuproduktionen
  1. Gründe, die gegen die Lektüre antiker Dramen im Deutschunterricht sprechen
    1. Veraltete Themen und Sprache
    2. Änderungen in den Moralvorstellungen
    3. Probleme in der Überlieferung sehr alter Texte
    4. Allgemeines Desinteresse an antiker Literatur
  2. Gründe, die für antike Dramen im Deutschunterricht sprechen
    1. Erweiterung des Allgemeinwissens
    2. Vergleich des früheren Sprachgebrauchs mit dem heutigen
    3. Antike Werteinstellungen im Vergleich zu heute
    4. Klassische Themen und ihre Bedeutung für unsere Gegenwart
  3. Berechtigung des antiken Bildungsguts neben der Einführung in moderne Entwicklungen
C. Zeitlose Bedeutung großer Literatur

Zu 3.:
A. Antike Dramen als Lektüre im Leistungskurs Deutsch
B. Vermittlung zwischen staatlichen Gesetzen und religiösen Aufassungen durch antike Dramen
I. Die Frage der Abtreibung
  1. Möglichkeiten der Vermittlungdurch Sophokles‘ Antigone
  2. Fehlen der Abtreibungsproblematik im antiken Drama
  1. Problematik des Familienrechts
  1. Auffassung des Versprechens in der attischen Tragödie
  2. Bedingungen der heutigen Ehe
  1. Zur Diskussion um die Gentechnologie
  1. Die ablehnende Haltung der Antike zur göttlichen Einflussspäre
  2. Eröffnung ungeahnter Möglichkeiten durch Gentechnologie
  1. Begrenzte Hilfestellung durch antike Literatur in modernen Fragestellungen
C. Wirkung antiker Literatur auf die persönliche Meinungsbildung