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1. Schulaufgabe aus dem Deutschen
am 8. November 2006
Ilse Aichinger: Das
Fenstertheater
(Erweiterte
Inhaltsangabe)
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(Name) |
Aufgabe:
Verfasse eine Inhaltsangabe zu der folgenden
Geschichte Das Fenstertheater von Ilse
Aichinger. Gehe im Anschluss daran der Frage nach, um welche
Textart es sich bei dieser Geschichte handelt. Belege deine Aussagen
mit Beispielen aus dem Text! Halte dich dabei an die in der Schule
besprochene und geübte Form der erweiterten Inhaltsangabe.
Die Arbeitszeit beträgt 60 Minuten.
Viel Erfolg!
Zur Autorin:
Ilse
Aichinger (* 1. November 1921 in Wien) ist eine österreichische
Schriftstellerin und bedeutende Repräsentantin der
deutschen Nachkriegsliteratur. Sie wurde mit ihrer Zwillingsschwester
Helga am 1. November 1921 als Tochter einer (jüdischen) Ärztin
und eines (nicht-jüdischen) Lehrers in Wien geboren. Nach
der Scheidung der Eltern (1927) wurden die Schwestern von der
Großmutter miterzogen. Seit dem Anschluss Österreichs
wurde die Familie verfolgt, Helga konnte im Juli 1939 nach England
fliehen, die anderen konnten nicht mehr nachkommen. Die Mutter verlor
ihre Stellung, wurde als Erziehungsberechtigte eines "Mischlings
1. Grades" zunächst nicht deportiert und überlebte den
Krieg in einem Zimmer in der Nähe des Gestapo-Hauptquartiers,
während die Großmutter und die jüngeren
Geschwister der Mutter verschleppt und ermordet wurden.
Von
1945 bis 1947 studierte Ilse Aichinger Medizin, schrieb ihren (zum
Teil autobiographischen) Roman "Die größere
Hoffnung", arbeitete als Lektorin für den S. Fischer Verlag
und war Assistentin von Inge Aicher-Scholl an der Hochschule für
Gestaltung in Ulm.
1951
wurde sie erstmals zur Gruppe 47 eingeladen, 1952 gewann sie mit
ihrer "Spiegelgeschichte" den Preis der Gruppe.
1953
heiratete sie den Schriftstellerkollegen Günter Eich (1907 -
1972). Das Ehepaar lebte mit den Kindern Clemens (1954 - 1998) und
Miriam (geb. 1957) zuerst in Lenggries, dann in Breitbrunn am
Chiemsee und seit 1963 in Großgmain bei Salzburg. Nach dem Tod
der Mutter (1983) siedelte sie nach Frankfurt am Main und 1988 nach
Wien über, wo sie mit Richard Reichensperger (1961 - 2004)
befreundet war und nach einer längeren Schaffenspause Ende der
1990-er Jahre wieder zu schreiben begann.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ilse_Aichinger)
Musterlösung:
Ilse
Aichinger: Das Fenstertheater.
(Erweiterte
Inhaltsangabe)
Das
Fenstertheater ist eine Kurzgeschichte von Ilse Aichinger. Darin
geht es um eine gelangweilte Frau, die wegen ihrer deutlich
ausgeprägten Neugierde das Verhalten eines älteren Mannes
im Haus gegenüber auf sich bezieht, sich belästigt fühlt
und deshalb die Polizei verständigt.
Die
sensationshungrige Frau, die den vorletzten Stock eines Hauses
bewohnt, bemerkt, als sie aus dem Fenster sieht, dass in der
gegenüberliegenden Wohnung das Licht eingeschaltet wird und ein
alter Mann an das Fenster tritt. Er winkt, und da unter der Frau eine
jetzt geschlossene Werkstatt liegt und die Wohnung über ihr
vermeintlich leer ist, bezieht sie die Gestikulationen ihres
Gegenübers auf sich. Er treibt verschiedene unterhaltsame
Faxen, aber als er einen Kopfstand macht und seine Beine in die Luft
hält, fühlt sie sich belästigt und verständigt
die Polizei. Als der Streifenwagen ankommt, versammeln sich die
Anwohner vor dem Haus. Einige Polizisten und die Frau suchen die
Wohnung des Unbekannten auf, und als die Türklingel nicht gehört
wird, brechen sie die Wohnung auf. Dort finden sie den schwerhörigen
Alten, der sie noch nicht bemerkt hat, mit einem Teppich um die
Schultern und einem Kissen auf dem Kopf. So kommuniziert er mit einem
Jungen, der in der Wohnung über der Frau von ihr unbemerkt
eingezogen ist. Der Junge ahmt die Vorstellung des Alten nach
und bringt die Polizisten damit zum befreienden Lachen.
Die
Geschichte hat einen unvermittelten Anfang und ein offenes Ende.
Weder erfährt der Leser, wer die Hauptpersonen sind noch wann
und wo die Geschichte spielt. Sie beginnt gleich mit einem
bestimmten Artikel und charakterisiert damit „die Frau“ als
einen für unsere Zeit typischen sensationshungrigen,
einsamen Menschen. Am Schluss bleibt offen, wie sich die Beteiligten
in der für die Frau sicher peinlichen Situation weiter
verhalten. Die Sprache der Erzählung ist modern und alltäglich,
so dass sie von jedermann verstanden werden kann. Die Kurzgeschichte
stellt einen Ausschnitt aus dem Leben der Frau dar, der typisch
für unsere sensationsgierige Gesellschaft ist: Wo keine echten
Unfälle oder Katastrophen geschehen, wird zum Beispiel von
gewissen Boulevard-Zeitungen gerne eine unbedeutende Gelegenheit zu
einer Schlagzeile aufgebauscht. Hinterher ist die Enttäuschung
umso peinlicher.
Es
ist gut vorstellbar, dass Leute, die in einem Hochhaus in einem
anonymen Stadtviertel wohnen, nur darauf warten, dass irgendetwas
Spannendes passiert. In ihrem Übereifer und in ihrem Drang, sich
in das Leben anderer einzumischen, kann es leicht vorkommen, dass sie
sich von Kleinigkeiten belästigt fühlen und unnötig
die Polizei verständigen. Derlei Nachbarschaftsquerelen
beschäftigen oft auch die Gerichte und zeigen nur, wie einsam
und zur normalen Kommunikation unfähig die Menschen in der
Großstadt heute geworden sind.