Letzte Schulaufgabe im Grundkurs d2, AA 13/2
Am 18.03.2002
(Name)
Thema 1, 2, 3 oder 4
Bearbeiten Sie eines der vier folgenden Themen in der Form eines Aufsatzes. Halten Sie sich dabei an die in der Schule besprochene Form. Nutzen Sie die zur Verfügung stehende Arbeitszeit für eine sprachlich einwandfreie Darstellung. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Text länger als sonst werden muss!
Erster Aufzug, erster Auftritt
IPHIGENIE.
Heraus in eure Schatten, rege Wipfel
Des alten, heil'gen, dichtbelaubten Haines,
Wie in der Göttin stilles Heiligtum
5 Tret' ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl,
Als wenn ich sie zum erstenmal beträte,
Und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher.
So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe;
10 Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.
Denn ach! mich trennt das Meer von den Geliebten,
Und an dem Ufer steh' ich lange Tage,
Das Land der Griechen mit der Seele suchend;
Und gegen meine Seufzer bringt die Welle
15 Nur dumpfe Töne brausend mir herüber.
Weh dem, der fern von Eltern und Geschwistern
Ein einsam Leben führt! Ihm zehrt der Gram
Das nächste Glück vor seinen Lippen weg,
Ihm schwärmen abwärts immer die Gedanken
20 Nach seines Vaters Hallen, wo die Sonne
Zuerst den Himmel vor ihm aufschloß, wo
Sich Mitgeborne spielend fest und fester
Mit sanften Banden an einander knüpften.
Ich rechte mit den Göttern nicht, allein
25 Der Frauen Zustand ist beklagenswert.
Zu Haus und in dem Kriege herrscht der Mann,
Und in der Fremde weiß er sich zu helfen.
Ihn freuet der Besitz; ihn krönt der Sieg!
Ein ehrenvoller Tod ist ihm bereitet.
30 Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!
Schon einem rauhen Gatten zu gehorchen,
Ist Pflicht und Trost; wie elend, wenn sie gar
Ein feindlich Schicksal in die Ferne treibt!
So hält mich Thoas hier, ein edler Mann,
35 In ernsten, heil'gen Sklavenbanden fest.
O wie beschämt gesteh' ich, daß ich dir
Mit stillem Widerwillen diene, Göttin,
Dir, meiner Retterin! Mein Leben sollte
Zu freiem Dienste dir gewidmet sein.
40 Auch hab' ich stets auf dich gehofft und hoffe
Noch jetzt auf dich, Diana, die du mich,
Des größten Königes verstoßne Tochter,
In deinen heil'gen, sanften Arm genommen.
Ja, Tochter Zeus', wenn du den hohen Mann,
45 Den du, die Tochter fordernd, ängstigtest,
Wenn du den göttergleichen Agamemnon,
Der dir sein Liebstes zum Altare brachte,
Von Trojas umgewandten Mauern rühmlich
Nach seinem Vaterland zurückbegleitet,
50 Die Gattin ihm, Elektren und den Sohn,
Die schönen Schätze, wohl erhalten hast:
So gib auch mich den Meinen endlich wieder
Und rette mich, die du vom Tod errettet,
Auch von dem Leben hier, dem zweiten Tode!
[Goethe: Iphigenie auf Tauris, S. 3-5. Digitale Bibliothek, S. 22018-20 (vgl. Goethe-HA Bd. 5, S. 7-8)]
Analysieren Sie die Exposition des klassischen Dramas Iphigenie auf Tauris unter anderem nach Stil und Sprache, Personen- und Raumgestaltung! Vergleichen Sie die dramaturgische Besonderheit dieses Textaussschnitts mit einem deutschen Drama einer anderen literarischen Epoche!
Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Wenn schon alle Vögel schweigen
In des Sommers schwülem Drang,
Sieht man, Lerche, dich noch steigen
Himmelwärts mit frischem Klang.
Wenn die Bäume all verzagen
Und die Farben rings verblühn,
Tannbau, deine Kronen ragen
Aus der Öde ewiggrün.
Darum halt’ nur fest die Treue,
Wird die Welt auch alt und bang,
Brich den Frühling an aufs Neue,
Wunder tut ein rechter Klang!
Günter Eich (1907-1972)
Da schon das Gras zu Staub zertreten ist,
die Wüste unter unsern Füßen wächst,
da schon die Apfelbäume, die entrindeten,
zweiglos wie gelb gebleichte Baumskelette
geschändet stehen: Ach, da fliehen uns
die bunten Vögel. Keine Kehle sänge
den Mai uns vor, den schallenden von Liedern,
bliebst du nicht, Lerche; Vogel der Gefangnen.
Du graues Wesen, wie dein einfach Lied
Hoch über unsern Häuptern jubilier,
als wär der steinern trockne Lehm ein Kornfeld,
als wären da nicht dürr und unfruchbar,
als solle Saat und Halm aus uns entsprießen
und unser Los gediehe noch zur Ähre.
Oh sing uns keinen falschen Schlummertrost,
sei uns Prophet und sing die kalte Zukunft,
die jubelnde!
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Eichendorff |
Eich |
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Inhalt |
Naturvergänglichkeit im Herbst ermöglicht einen neuen Frühling: Es wird weitergehen. |
Hoffnung auf eine Zukunft trotz der Vergänglichkeit der Natur im Herbst |
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Form |
Lied; 3 Strophen á 4 Zeilen, Reim abab, vierhebige Trochäen |
Hymne an die Lerche; 2 Strophen á 8 Zeilen, reimlos, fünfhebige Jamben |
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Epochenzugehörigkeit |
Romantik im Übergang von Jahreszeit zur menschlichen Treue und im Wunderbegriff |
Illusionsloser Realismus der Moderne, Todesahnung (Staub, gebleichtes Skelett, usw.) |
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Interpretation |
Wenn auch die Natur vergeht, kann der Mensch durch Treue das Wunder der Unvergänglichkeit vollbringen. Imperativ und Indikativ schaffen Zutrauen auf die Zukunft. |
Vor der schicksalhaften Umweltzerstörung fliehen uns die Vögel. Nur die Lerche sing weiter, als ob (Konjunktiv!) nichts geschehen wäre. Das lyrische Ich wünscht sich, dass dieses Zukunftslied keine Täuschung sei. |
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Gesamteindruck |
Der Romantiker hat ein optimistisches Zukunftsbild. |
Der moderne Mensch schaut skeptisch auf die Zukunft. |
Wolfgang Hildesheimer wurde am 9. Dezember 1916 als Sohn jüdischer Eltern in Hamburg geboren und verlebte seine Kindheit in Hamburg, Berlin, Cleve, Njimegen und Mannheim.
1950 wurde er ziemlich unvermittelt zum Schriftsteller. Bereits Hildesheimers erste Kurzprosasammlung "Lieblose Legenden" (1952) ein großer Erfolg.
1966 erhielt Hildesheimer den Georg-Büchner-Preis. Zu den weiteren Literaturpreisen gehören der Hörspielpreis der Kriegsblinden (1954). Außerdem wurde er 1982 Ehrendoktor der Universität Gießen. Bereits 1983 hatte der Hildesheimer, der Mitglied der Gruppe 47 war, bewusst aufgehört, literarische Texte zu schreiben ("Das Ende der Fiktionen und andere Reden", 1984). Danach widmete er sich vorwiegend seinen Graphiken und Collagen. Am 21. August 1991 verstarb Wolfgang Hildesheimer in seiner Wahlheimat Poschiavo (Graubünden, die ihn inzwischen zum Schweizer Ehrenbürger ernannt hatte.
(Erörterung)
Setzen Sie sich mit diesem Werbeslogan einer Buchhandlung kritisch auseinander und belegen Sie Ihre Argumente durch treffende Bespiele!
Das Thema ist dialektisch zu erörtern: Ähnlichkeit des Lesens mit Fernsehen oder grundsätzliche Verschiedenheit lassen sich jeweils argumentativ belegen.
Folgende Aspekte könnten berücksichtigt werden:
- Fernsehen ist eine kommunikative Einbahnstraße - Das Fernsehprogramm kann nicht beeinflusst werden - Fernsehen kann manipulieren - Fernsehen ist der Tod der Phantasie - Lesen regt Phantasie an - Lesen fordert zu intellektueller Auseinandersetzung auf - Lesequellen sind unabhängiger und vielfältiger als Massenmedien - Literaturverfilmungen engen die Bedeutung des Originals ein. - Literaturverfilmungen sind Interpretationen - Literaturverfilmungen ersetzen oft die Lektüre des Originals - Bücher sind auf Grund ihres Entstehungsprozesses meist geistreicher als schnelle Fernsehproduktionen - Beispiele aus dem Unterricht: Der Schimmelreiter, Berlin Alexanderplatz - Weitere eigene Beispiele sind erwünscht!
Das Ergebnis der Erörterung bleibt offen. Erwartet wird jedoch eine in sich stimmige Argumentation mit überzeugenden Beispielen. Kritisch zu hinterfragen ist auch, ob es überhaupt angemessen ist, Lesen mit Fernsehen zu vergleichen, um eine Kaufentscheidung zu fördern.