Theodor Fontane: Schach von Wuthenow

(Literarische Erörterung)

Aufgabe:

"Der Realismus will nicht die bloße Sinnenwelt und nichts als diese; er will am allerwenigsten das bloß Handgreifliche, aber er will das Wahre." (Theodor Fontane)

Erörtern Sie, ob Fontanes theoretische Äußerung über den Realismus in seiner Erzählung "Schach von Wuthenow" beachtet ist! Halten Sie sich dabei vor allem an das 20. Kapitel mit dem Brief Bülows an Sander. Charakterisieren Sie darüber hinaus Bülow und sein Verhältnis zu Schach, gehen Sie auf die Funktion des vorliegenden Briefs als des vorletzten Kapitels der Erzählung ein und stellen Sie Fontanes erzählerische Absicht dar. Berücksichtigen Sie an passender Stelle weitere Aspekte der Interpretation!

Formulieren Sie eine Gliederung und darauf aufbauend einen zusammenhängenden Aufsatz!

Die Arbeitszeit beträgt 150 Minuten (von 9.20 Uhr bis 11.50 Uhr).

Viel Erfolg!


Erwartungshorizont

Mustergliederung:

A Theodor Fontane, der Autor von "Schach von Wuthenow"
B Fontanes Realismus, besonders im 20. Kapitel: Bülow an Sander

        1. Inhaltliche Einordnung in den Textzusammenhang
        2. Bülow und sein Widerpart Schach
        3. Funktion des Briefes
        4. Gesellschaftsdarstellung und -kritik
        5. Schönheit und Ehre - zwei überholte Begriffe?
        6. Zur Gattungsproblematik des Werkes

C Selbstmord: Ein Ausweg ohne Sinn?

Stichpunkte:

zu B.2.: Bülow, der Theoretiker, vs. Schach, der Praktiker; Bülow hat den Dienst bereits quittiert, Schach lehnt z. B. seine Mitwirkung bei dem Mummenschanz ab;

zu B.3.: Brief als persönlicher Ausdruck der Person Bülows; theoretische, objektivierende Zusammenfassung des Geschehens gegenüber dem letzten (21.) Kapitel, dem Brief Victoires als einer subjektiven Sicht (= Übung vor der Schulaufgabe);
Bülow erklärt die wahren Hintergründe für das bloß vordergründige, sinnliche Geschehen. = Fontanes theoretische Forderung ist erfüllt.

zu B.5.: Schach erfüllt die vom König geforderte Ehre und hintergeht sie zugleich durch den Selbstmord. Falscher Ehrbegriff, der von äußerlichem Schein abhängt.
beauté du diable, vom Prinzen gelobt, reicht Schach nicht, um vor der Gesellschaft bestehen zu können.

zu B.6.: Novelle: Dingsymbol: Schach (-figur), Schachspiel in der Karikatur, Name Schach;
gesellschaftliche Neuigkeit; Einbruch des Chaos in eine geordnete Welt; Wendepunkt: Erscheinen der Karikaturen;
Roman: Epische Breite; Bild der Gesellschaft;
=> von Fontane als "Erzählung" bezeichnet.